Die traditionsreiche Bank BNY wagt einen großen Schritt in die Zukunft: Mit der unternehmenseigenen Plattform Eliza und Technologie von OpenAI entwickelt der Finanzriese eine konzernweite KI-Infrastruktur, an der bereits mehr als 20.000 Beschäftigte aktiv mitarbeiten. Was nach Tech-Start-up klingt, ist der Versuch eines globalen Finanzdienstleisters, künstliche Intelligenz in den Alltag jedes Arbeitsplatzes zu integrieren – vom Backoffice bis zum direkten Kundenkontakt.
Eliza: Die interne KI-Werkstatt von BNY
Im Zentrum der Strategie steht Eliza, eine interne Plattform, über die Angestellte eigene KI-Anwendungen für ihre täglichen Aufgaben erstellen und testen können. Das Ziel: KI nicht nur in ausgewählten Spezialabteilungen zu nutzen, sondern in die Breite zu bringen.
- Selbstbedienungsplattform für KI-Experimente
- Sichere Umgebung, abgestimmt auf regulatorische Anforderungen im Finanzsektor
- Standardisierte Schnittstellen zu bestehenden Systemen von BNY
Statt einzelner, isolierter Pilotprojekte setzt BNY auf eine zentrale Plattform, die skalierbar ist – technologisch, organisatorisch und regulatorisch. So sollen neue Anwendungen kontrolliert, revisionssicher und nachvollziehbar eingeführt werden.
BNY verlagert künstliche Intelligenz aus der Innovationsabteilung mitten in den Arbeitsalltag von Zehntausenden Beschäftigten.
20.000 Mitarbeiter als KI-Entwickler
Besonders bemerkenswert ist der Ansatz, nicht nur Data Scientists oder IT-Teams in die Entwicklung einzubinden. BNY öffnet Eliza bewusst für eine breite Mitarbeiterschaft – von Fachleuten im Risikomanagement bis zu Mitarbeitenden im Kundenservice.
Vom Anwender zum Mitgestalter
Mit Low-Code- und No-Code-Werkzeugen sollen auch Personen ohne klassischen IT-Hintergrund produktive KI-Agenten erstellen können. Typische Einsatzszenarien sind etwa:
- Automatisierte Dokumentenanalysen für Verträge, Berichte und regulatorische Unterlagen
- Unterstützung bei Recherchen zu Märkten, Produkten und Regularien
- Prozessautomatisierung in der Abwicklung von Transaktionen und im Reporting
- Intelligente Assistenten für Kundenbetreuer, die Informationen in Echtzeit aufbereiten
Durch diese Beteiligung entsteht ein stetig wachsendes Ökosystem interner KI-Werkzeuge, das direkt von den Anforderungen der Fachbereiche geprägt ist.
OpenAI-Technologie als Motor
Technologisch setzt BNY dabei auf die Modelle und Werkzeuge von OpenAI, die in die Eliza-Plattform integriert sind. Diese liefern die Grundlage für:
- Sprachverarbeitung – von der Zusammenfassung komplexer Texte bis zur Erstellung kohärenter Berichte
- Konversationsagenten, die intern als Chat-Assistenten im Einsatz sind
- Wissensmanagement, indem verstreute Informationen aus unterschiedlichen Systemen nutzbar gemacht werden
BNY nutzt diese Technologie nicht als „fertiges Produkt“, sondern als Baustein in einer eigenen, kontrollierten Infrastruktur. So lässt sich die Leistung moderner KI-Modelle mit den strengen Anforderungen eines globalen Finanzhauses verbinden.
Effizienz, Qualität, Kundennutzen
Hinter der technologischen Offensive steht ein klarer betriebswirtschaftlicher Anspruch: KI soll messbare Effekte bringen – intern wie extern.
Mehr Effizienz im Tagesgeschäft
Wiederkehrende Aufgaben, die bislang viel Zeit kosten, lassen sich mit KI-Agenten stark beschleunigen. Dazu gehören etwa:
- Standardanfragen auswerten und vorfiltern
- Daten aus verschiedenen Systemen zusammenführen
- Berichte und Präsentationen vorbereiten
Dadurch sollen Mitarbeitende mehr Zeit für wertschöpfende Tätigkeiten und Kundenkontakt gewinnen.
Verbesserte Ergebnisse für Kunden
Parallel dazu sollen Kundinnen und Kunden von schnelleren Reaktionszeiten, besseren Analysen und individuelleren Lösungen profitieren. KI kann helfen, große Datenmengen zu strukturieren, Muster zu erkennen und Entscheidungsvorlagen zu erstellen, die Beratern und Portfoliomanagern zur Verfügung stehen.
Effizienzsteigerung im Backoffice und präzisere, schnellere Analysen im Frontoffice greifen bei BNY zu einer durchgängigen KI-Strategie ineinander.
Sicherheit, Regulierung und Verantwortung
Der Einsatz generativer KI in einem regulierten Umfeld wie dem Bankensektor stellt hohe Anforderungen an Governance und Kontrolle. BNY muss sicherstellen, dass rechtliche Vorgaben, Datenschutzstandards und Compliance-Richtlinien konsequent eingehalten werden.
- Strenge Zugriffskontrollen und abgestufte Berechtigungen auf der Eliza-Plattform
- Überwachung der Modelle mit Blick auf Fehlverhalten, Halluzinationen und Verzerrungen
- Dokumentation und Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen, die mit KI-Unterstützung getroffen werden
Gleichzeitig ist die Schulung der Mitarbeitenden zentral: Nur wer versteht, wie KI-Systeme arbeiten und wo ihre Grenzen liegen, kann sie verantwortungsvoll einsetzen.
Strategische Bedeutung für den Finanzsektor
BNY positioniert sich mit diesem Vorhaben als Vorreiter unter den globalen Finanzinstituten. Die Kombination aus skalierbarer Plattform, breiter Mitarbeiterbeteiligung und moderner KI-Technologie könnte zum Referenzmodell für andere Häuser werden.
- Vom Pilotprojekt zur Plattform: KI wird nicht als Experiment, sondern als Kerninfrastruktur gesehen.
- Vom Spezialwissen zur Massenanwendung: Zehntausende Mitarbeitende entwickeln eigene Lösungen.
- Vom Kostenfaktor zum Wettbewerbsvorteil: KI soll sich direkt in Produktqualität und Servicelevel niederschlagen.
BNY demonstriert, wie ein etablierter Finanzkonzern KI nicht nur testet, sondern systematisch in seine Prozesse, seine Kultur und seine Zukunftsstrategie integriert.
Wie stark dieser Ansatz die Branche insgesamt verändern wird, hängt davon ab, ob andere Institute ähnlich konsequent nachziehen – und ob es BNY gelingt, die Balance zwischen Innovationstempo, Sicherheit und Vertrauen dauerhaft zu halten.